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17. Januar 2019

Podcast: LSA-Debatte #1: Daten: Digitale Heilsbringer oder Abgesang auf die Privatsphäre?

 

Es ist soweit: Die erste saftige Busse flattert ins Hause Google. 50 Millionen Euro stellt die französische Datenschutzbehörde CNIL dem Suchmaschinen-Gigant wegen Verstössen gegen die seit Mai 2018 geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Rechnung. Der Zugang zu Informationen über die Verwendung von erhobenen Daten sei für die Nutzer nicht einfach genug. Nicht erst seit diesem Urteil sorgt das Thema Datenschutz für eine gewisse Verunsicherung. Im Rahmen der ersten LSA-Debatte hat sich ein namhaftes Panel diesem Thema angenommen.

>>> Hier geht's zum Podcast: LSA-Debatte #1

Wie gehen wir beim Surfen im Internet mit unseren Daten um? Was wollen wir als Nutzer von uns preisgeben und was nicht? Was sollten Kommunikationsagenturen und Unternehmen in Anbetracht der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Gefahr von Reputationsrisiken im Umgang mit Kundendaten tun? Hat der Missbrauch von Daten tatsächlich zu einem Umdenken geführt? Diese Fragen betreffen uns als Individuen genauso wie den Staat als demokratisch verfasstes System. Auf der Makro-Ebene geht es um die Frage, wie sich ein Staat gegenüber den tonangebenden Playern der Datenökonomie verhalten soll. Wie im Fall Facebook erwecken diese den Anschein, gar nicht mehr genau zu wissen, welche Daten gesammelt und wie bearbeitet werden. Zu diesem Schluss kommt Adrienne Fichter, Social-Media-Expertin und Redakteurin beim Online-Magazin «Republik».

Appell an die Eigenverantwortung
Eine konkrete Handlungsanleitungen für den Umgang mit persönlichen Daten kommt von Berivan Fidanoglu. Die Datenschutzbeauftragte der PostFinance ist im Web zwar nicht leicht zu finden, besitzt aber trotz ihres Fachwissens einige digitale Profile. «Es gibt auch Ärzte, die rauchen», sagt die Juristin, nimmt sich aber selber in die Pflicht und versucht ihren digitalen Fussabdruck so klein zu halten, wie es für sie stimmt. Denn letztlich sei es eine individuelle Entscheidung, was man von sich preisgeben möchte. In die gleiche Kerbe schlägt Ursula Uttinger. Sie ist Präsidentin und Mitbegründerin des Datenschutz-Forums Schweiz. Uttinger appelliert an die Eigenverantwortung, hält den Datenschutz allerdings für eine Illusion. Je bewusster man sich dieser Illusion sei, desto gewissenhafter setzten sich Menschen mit ihren Daten auseinander.

Datenschutzgesetze als zahnlose Tiger
Doch darf man die Gesellschaft sich selbst und den Tech-Giganten einfach überlassen? Über die letzten zwei Jahrzehnte hat eine Monopolisierung der digitalen Wirtschaft stattgefunden. Die Nutzer stehen diesem Monopol praktisch alternativlos gegenüber. Daran haben auch die Datenmissbrauchs-Skandale nichts geändert. Und obwohl man sich diesen Datenkraken nur schwer entziehen kann: wehrlos ist die Gesellschaft nicht. Die Politik – so Fichter – besitze die Mittel, um den Datenhunger von Facebook, Amazon, Google und Co. per Gesetz einzudämmen. Die Schweiz berät aktuell die Revision des nationalen Datenschutzgesetzes, Belgien hat bereits gehandelt und ein Trackingverbot erlassen. Wie weit solche Standards gehen, ist letztlich das Ergebnis aus einem ethisch-politischen Diskurs. Wird die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger höher gewichtet als der Erfolg von Online-Marketingstrategien von privaten Unternehmen? Jürg Stuker, Partner und Verwaltungsrat von Namics, bezweifelt allerdings stark, dass solche chirurgischen Eingriffe des Gesetzgebers tatsächlich für trackingfreies Surfen sorgen.

Die Frage der Moral
Heute unbestritten, ist eine gewisse Notwendigkeit zur Nutzung von Online-Dienstleistungen. Nur, wie lässt sich diese Nutzung vernünftig gestalten? Stuker hält eine zu technokratische Regulierung für ungeeignet. Intuitiv wüssten wir alle, dass der Missbrauch von Daten falsch ist. «Das ist eine moralische Frage.» Die Technologie an sich kennt jedoch keine Moral und entwickelt sich weiter, passt sich an. Für Fidanoglu müssen die Unternehmen nun zur Überzeugung kommen, Transparenz und Datensparsamkeit prioritär zu behandeln.  Wenn aber keine intrinsische Motivation für eine ethisch- und moralisch korrekte Verwendung von persönlichen Daten vorhanden ist, braucht es demzufolge eine Zertifizierung für Unternehmen mit besonders ethischer Datenpolitik, um den Datenhamstern Einhalt zu gebieten?

Aufbau einer Vertrauensbeziehung
Ein erster Schritt in die richtige Richtung sieht Stuker im Verzicht von Third-Party-Data und der damit einhergehenden unkontrollierbaren Datensammlung, hin zu einer viel persönlicheren Kundenansprache, die es dem Unternehmen ermöglicht eine langfristige Kundenbeziehung, einen «Customer Lifetime Value» aufzubauen. «Der Idealfall ist eine Vertrauensbeziehung zur Kundschaft. Daten aus dieser Beziehung an Google und Facebook weiterzugeben, ist dem Vertrauensaufbau sicher nicht zuträglich.» Fraglich ist, ob es für diesen Weg einen genügend grossen Markt gibt. Wenn Kunden in der Weitergabe ihrer Daten einen Vorteil sehen, ist anzunehmen, dass die grosse Mehrheit diesen Vorteil nicht hergeben will.

 

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