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12. Oktober 2020

Über Gartenpflege und Wanderlust

 

Das Virus SARS CoV-2 und die Viruserkrankung Covid-19 haben uns drastisch vor Augen geführt, wie anfällig wir für disruptive Ereignisse sind und wie schnell alles anders ist, als wir noch vor Kurzem gedacht haben. Das Virus hat uns aber auch gelehrt, wie schnell wir uns in neuen Situationen zurechtfinden, wenn das Bekannte nicht mehr existiert und der Weg nach vorne die einzige Option bleibt. So bestätigen die meisten von über 400 befragten Führungskräften von Schweizer Unternehmungen, dass die Umstellung auf Homeoffice während des Lockdowns problemlos vonstattenging und die operative Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden sichergestellt war (Leading Transformation Report 2020).

In vielen Fällen gelingt der Umgang mit Krisensituationen aber nicht nur, weil die dazu nötigen Notfallpläne, Prozesse und Systeme bereits existieren und erprobt sind, sondern weil die betroffenen Stellen und Menschen gemeinsam und explorativ an der Lösung des Problems arbeiten. Das Virus lehrt uns also, dass die Komplexität einer Transformation von einem nicht mehr adäquaten bestehenden in einen den Rahmenbedingungen besser angepassten neuen Zustand nur iterativ und gemeinsam gemeistert werden kann.

Gartenpflege

Stabilität ist nichts Schlechtes. Nahezu jedes System strebt nach einem stabilen Zustand möglichst geringer Energie. Es macht ja auch Sinn, ein Ziel möglichst effizient und möglichst effektiv zu erreichen. Oder um die Metapher aufzunehmen: Jener Gärtner hat es leichter, dessen Pflanzen dem Klima und den Böden und dessen Fruchtfolgen, den Jahreszeiten und den Vegetationsperioden angepasst sind und der so Stabilität bezüglich seines Aufwands und des Ertrags erreichen kann. Übersetzt auf die Agenturwelt heisst das, dass die Auftraggeber am besten fahren, wenn sie einen Erfolg versprechenden Kommunikationsmix mit entsprechenden Fachleuten umsetzen. Ob sie dazu mehrere für die Teilaufgaben spezialisierte Partner selbst dirigieren und koordinieren oder ob sie auf einen One-Stop-Shop setzen, unter dessen Dach sich alle Kompetenzen versammeln und der intern für funktionierende Schnittstellen und reibungslose Abläufe sorgt, spielt für die Performanz der gesamten Kommunikationsleistung letztlich eine untergeordnete Rolle. Das geht gut, wenn alle Beteiligten kompetent sind und solange die Rahmenbedingungen stabil bleiben.

Wanderlust

Wir wissen, dass die platzende Dotcom-Blase, der implodierende Subprime-Markt oder eben ein unsichtbares, aber fieses Virus die Weltwirtschaft ins Wanken bringen können und vieles, was bis vor Kurzen noch richtig und gut war, zu destabilisieren vermögen. Eine mögliche Taktik im Umgang mit einer solchen Krise ist, sie auszusitzen, zu warten, bis alles vorbei ist und die alte Normalität wiederhergestellt ist. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass die alte Realität einer neuen, vielleicht sogar resistenteren Realität Platz machen wird. Trifft das zu, war das Warten wertvolle verlorene Zeit beim möglichst schnellen Überwinden einer instabilen, weil unsicheren Phase der Transformation. Die sinnvollste Art, mit einer Krise umzugehen, ist deshalb immer noch, sie zu nutzen. Oder um bei der Metapher zu bleiben, Wanderlust zu entwickeln und dabei die neuen Herausforderungen zu erkennen, zu akzeptieren und neue Antworten darauf zu finden. Das nämlich gelingt nicht im eigenen Garten. Es gelingt nur, wenn sich alle zusammen auf den Weg machen und gemeinsam und explorativ nach Antworten auf die veränderten Rahmenbedingungen suchen und so wieder Stabilität ins System bringen.

Wir Agenturen sind deshalb gefordert, nicht nur auf Disruptionen im eigenen Garten zu reagieren, sondern uns aktiv und lustvoll auf den Weg zu machen, um im engen Dialog mit uns fremden Unternehmenseinheiten wie Einkauf, Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Support nach Antworten zu suchen, die für die Kunden unserer Kunden relevant sind, einen Mehrwert stiften und wieder Stabilität schaffen. Die uns eigene Kreativität ist dafür ein wertvolles Werkzeug.

Walter Stulzer ist Gründer, Mitbesitzer und Executive Director von Futureworks. Seit August 2020 ist der studierte Zoologe Vorstandsmitglied von Leading Swiss Agencies.

Aus dem Branchenmagazin «Persönlich» Ausgabe 10/Oktober

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