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JAA: Die HSLU über Druck, Customer Integration und den Hunger auf mehr
Vier Siege in Folge: Die HSLU spricht über Druck, Erfolgsfaktoren und den Wettbewerb mit den anderen Hochschulen.
Die Hochschule Luzern zählt zu den erfolgreichsten Fachhochschulen des LSA-Junior Agency Awards. Im Interview sprechen Andreas Lucco und Douglas MacKevett über den Anspruch hinter vier Siegen, die Bedeutung von Customer Integration und warum der Wettbewerb jedes Jahr wieder bei null beginnt.
Die HSLU hat den Junior Agency Award bereits mehrfach gewonnen. Wird der Wettbewerb zur Routine oder steigt gerade deshalb der Anspruch?
Andreas Lucco, Leiter Modul Online Customer Integration, HSLU: Definitiv keine Routine – es steckt jedes Mal viel mehr dahinter. Natürlich gibt es einen gewissen Druck, wenn man als «Wiederholungstäter» antritt. Aber jeder Wettbewerb ist wieder eine komplett neue Herausforderung mit einem neuen Kundenauftrag – eine neue Chance, sich zu beweisen.
Douglas MacKevett, Head of Online Business and Marketing, HSLU: Absolut keine Routine! Der Aufwand dahinter ist enorm, sowohl für die Dozierenden als auch für die Studierenden. Es ist ein extrem wichtiger Teil unseres Qualitätsanspruchs, dass wir uns mit anderen Hochschulen in der Deutschschweiz messen. In den letzten vier Jahren durften wir gewinnen – aber das hat mit sehr viel Zusatzaufwand zu tun, auf beiden Seiten.
Was ist aus eurer Sicht das Erfolgsrezept der HSLU im Wettbewerb?
Andreas Lucco: Es gibt zwei klare Faktoren. Erstens: Unsere Teams werden intensiv betreut – unsere Coaches gehen die Extra-Meile. Der Hauptaspekt ist aber die sogenannte «Customer Integration». Das heisst: Wir hören genau hin, was die Zielgruppe wirklich will, und lassen uns von diesen «Customer Insights» inspirieren, bevor der kreative Prozess überhaupt startet. Und drittens – das wird oft unterschätzt – hängen rund 50% des Erfolgs von der Präsentation ab.
Douglas MacKevett: Das kann ich nur unterschreiben. Ich ergänze noch: Wir machen das zur Chefsache. Das Modul ist nicht fakultativ, die Ressourcen sind klar zugeordnet, und alle ziehen am gleichen Strick. Was ich über die letzten vier Jahre bei den Winning Teams gesehen habe: Eine coole Idee ist schön und recht, aber die Zahlen müssen stimmen. Wenn die Studierenden einen realistischen Plan und ein sauberes Budget durchgerechnet haben, macht das bei einer Jury aus dem Agenturalltag extrem viel aus.
Spürt ihr einen besonderen Erwartungsdruck, intern oder von aussen?
Andreas Lucco: Klar, der Druck ist da. Wenn man viermal gewonnen hat, sind die Erwartungen entsprechend hoch. Aber ich versuche, das positiv zu nutzen: Druck schärft den Fokus. Wir sind nicht Jesus, der übers Wasser laufen kann – wir sind «Hard Working Leute» aus der schönen Innerschweiz. Und genau das ist unser Antrieb.
Douglas MacKevett: Von aussen sind wir im Moment so etwas wie der Massstab – das dürfen wir ruhig sagen, nachdem wir viermal in Folge gewonnen haben. Intern setzen wir selbst sehr viel darauf. Wenn wir das lancieren, dann ist das klar kommuniziert und fest verankert. Das ist der Druck, den wir uns selbst machen – und das ist gut so.
Die Konkurrenz wird grösser. Wie bereitet ihr eure Teams auf dieses Niveau vor?
Andreas Lucco: Wir predigen eigentlich ganz offensichtliche Eigenschaften: Einsatz, Fleiss, Dranbleiben, Konsistenz – und natürlich Smartness. Ich sage das auch ganz offen zu den anderen Teilnehmenden: «Schaut, wir haben das zum vierten Mal gewonnen. Ich sag euch unsere Strategie – aber das führt euch nicht automatisch zum Sieg. Ihr müsst sie umsetzen.» Das ist nämlich gnadenlose Customer Integration.
Douglas MacKevett: Wir schicken die Personen auf die Bühne, die am besten präsentieren können. Wenn jemand authentisch auftritt und die Jury abholt – mit Persönlichkeit, mit Substanz – dann hilft das enorm. Die Idee muss sitzen, aber die Performance auch. Und wir zeigen das auch beim LSA-Junior Agency Award: Das machen alle Teams, aber was uns ausmacht, ist die Kombination aus Vorbereitung und Authentizität.
Wie gelingt es, trotz Erfolgen hungrig und innovativ zu bleiben?
Andreas Lucco: Ich habe zwei Sätze, die ich fast täglich lese – sie hängen im Innenfach meines Badezimmerschranks. Der erste: «If you ever looked into the mirror and thought you should be further ahead in life, keep looking – you're the reason.» Der zweite: «Some say hard work is overrated. They're either liars or clueless – along with consistency, it's critical to success.» Das beantwortet eigentlich alles.
Douglas MacKevett: Ehrlich gesagt ist das gar nicht so schwer. Jedes Jahr gibt es einen neuen Kundenauftrag, neue Dozierende, neue Coaches und einen völlig neuen Mix an Studierenden – rund 60% deutschsprachig, 40% englischsprachig. Es ist fast unmöglich zu sagen: «Wir nehmen jetzt einfach die Vorlage vom letzten Jahr.» Es ist jedes Mal ein kompletter Neustart – und das hält einen automatisch frisch.
Welche Rolle spielen die Agentur-Coaches konkret im Entwicklungsprozess eurer Teams?
Andreas Lucco: Die Coaches bringen die Praxis rein. Sie zeigen, wie man datenbasiert vorgeht, was der kreative Teil ist und was am Ende hartes Handwerk ist. Dieses direkte Feedback aus dem echten Agenturalltag ist für die Studierenden Gold wert – und das spürt man dann auch in den Pitches.
Douglas MacKevett: Was ich bezeichnend finde: Fast jedes Mal gewinnt ein anderes Team mit einer anderen Agentur. Es gibt also nicht «die eine» Agentur, mit der man automatisch gewinnt. Es ist immer das Zusammenspiel zwischen Studierenden und Agentur, das den Unterschied macht. Und genau das macht es für alle Beteiligten so spannend.
Gibt es etwas, das eure Studierenden von den Agenturen besonders stark mitnehmen?
Andreas Lucco: Ja, definitiv. Es ist diese Kombination aus strategischem Denken und kreativer Umsetzung, die sie in der Zusammenarbeit mit den Profis lernen. Das ist eine Erfahrung, die man im reinen Schulzimmer so nicht simulieren kann. Die Studierenden sehen, wie es wirklich abgeht in der Agenturwelt – und das prägt.
Douglas MacKevett: Sie sehen aus erster Hand, wie eine Agentur an ein Problem herangeht: Was ist das Herzstück der Arbeit? Wie verbindet man Daten mit Kreativität? Wie sieht ein realistischer Plan aus? Das Feedback der Coaches und die Insights aus dem Agenturalltag sind für die Studierenden extrem wertvoll – egal ob sie am Ende den Pokal holen oder nicht.
Wie verhindert ihr, dass sich Denkweisen oder Lösungsansätze wiederholen?
Andreas Lucco: Der kreative Prozess an sich sorgt dafür. Wenn man sich wirklich auf die Kundenbedürfnisse und die Customer Insights einlässt, kommt man automatisch auf neue, massgeschneiderte Lösungsansätze. Die Strategie bleibt gleich – aber die Umsetzung ist immer wieder neu.
Douglas MacKevett: Schön wär's, wenn wir das verhindern müssten! Aber ehrlich gesagt ist die Ausgangslage jedes Jahr so anders, dass es fast unmöglich ist, in alte Muster zu verfallen. Neue Aufgaben, neue Teams, neue Agenturen – das Einzige, was sich wiederholt, ist unsere Grundphilosophie. Ansonsten ist es jedes Mal ein weisses Blatt Papier.
Was wäre für euch in diesem Jahr ein Erfolg – nur der Sieg oder mehr als das?
Andreas Lucco: Das ist ein bisschen eine Fangfrage, gell? Natürlich wollen wir gewinnen – aber der Sieg ist eigentlich sekundär. Ich wäre enttäuscht, wenn ich feststellen müsste, dass wir nicht unser Bestes gegeben haben. Wir überlegen uns: Wie können wir das Beste aus uns herausholen? Und nicht primär: Wie stechen wir die anderen aus? Der Beste möge gewinnen.
Douglas MacKevett: Richtig. Ein Erfolg ist es dann, wenn die Studierenden am Ende vor der Jury stehen und wir alle sagen können: «Okay, besser kann es nicht werden. Das ist die bestmögliche Option.» Wenn dann eine andere Gruppe eine noch bessere Idee hat – so be it. Aber für unsere Studierenden muss das Konzept am Ende zu 100% stimmig sein. Das ist das Ziel, das zählt.

