
Rückblick YLSA Event: Campaigning bei Bundesratswahlen – Tabu oder Tool?
20 junge sowie junggebliebene Mitarbeitende aus LSA-Agenturen trafen sich, um über dieses Spannungsfeld zu diskutieren
Die Bundesratswahl gilt als einer der Höhepunkte im politischen Kalender und ist doch von Zurückhaltung, Diskretion und ungeschriebenen Regeln geprägt. Vor diesem Hintergrund stellte der Young LSA-Event vom 2. September die Frage: Ist Campaigning bei Bundesratswahlen ein Tabu oder längst ein unverzichtbares Tool?
Am letzten Dienstag trafen sich in Bern rund 20 junge sowie junggebliebene Mitarbeitende aus LSA-Agenturen, um über dieses Spannungsfeld zu diskutieren. Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Beispiel der jüngsten Wahl im Frühling: Bundesrat Martin Pfister, zuvor kaum bekannt, schaffte den Sprung in die Landesregierung. Wie konnte dies im Kontext der strengen Spielregeln gelingen? Diese Frage zog sich als roter Faden durch Inputs und Diskussionen.
Zum Auftakt zeigte David Schärer (DS Studio), wie Kampagnenplanung und die Eigenheiten der Bundesratswahl zusammenwirken. Er machte deutlich, dass Kommunikationsstrategien zwar rational entworfen werden, ihre Wirkung jedoch oft schwer erklärbar bleibt. Anekdoten über mediale Inszenierungen zeigten, wie stark subtile Kommunikation und Timing den Ausschlag geben können.
In der anschliessenden Podiumsdiskussion mit Caroline Hulliger (CRK), Lorenz Furrer (furrerhugi) und David Schärer ging es unter anderem um die Fragen, ob die breite Öffentlichkeit inzwischen ebenso zentrale Zielgruppe ist wie die Bundesversammlung sowie darum, wie eine Kandidatur möglichst schnell als erfolgsfähig dargestellt werden kann. Drei Erkenntnisse stachen dabei hervor: Erstens hat die Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse, Kandidierende kennenzulernen, auch wenn letztlich das Parlament entscheidet. Zweitens sind Kandidierende ohne professionelles Kampagnenteam kaum mehr konkurrenzfähig. Drittens bleibt der «Gmögigkeitsfaktor» ein Schlüssel der Schweizer Politkultur, schwer greifbar, teils irrational, aber entscheidend.
Der Event verdeutlichte, dass Campaigning bei Bundesratswahlen nicht im Widerspruch zur politischen Kultur steht, sondern deren Entwicklung spiegelt. Für Kommunikationsprofis bot die Veranstaltung wertvolle Einblicke in einen Wahlprozess, der diskret wirkt und doch hochgradig strategisch ist.


